rail blog 397 / Werner Sauerborn

Liebe Freundinnen und Freunde,

im Rundmail vorgestern gings u.a. um die faulen Tricks bei der Vergabe der Bauaufträge für den Pfaffensteigtunnel. Inzwischen hat sich ein weiterer Aspekt aufgetan, den wir in der beiliegende PM aufgegriffen haben:

Eine der bei der Mauschelei Begünstigten ist die Firma Wayss & Freytag Ingenieurbau AG. So ein Zufall, dass jüngst gleich zwei führende Mitglieder der für den Bau des Pfaffensteigtunnels verantwortlichen Bahntochter PSU, nämlich Michael Pradel und Robert Berghorst bei Wayss & Freytag eingestiegen sind, ab September gleich in den Vorstand.

ManagerMagazin mit Insiderkenntnissen

Vor der nächsten Kostenexplosion

Erst gestern konnten wir einen Zugang zu dem großen Verriss-Text des aktuellen ManagerMagazins über Stuttart21 bekommen. (Heft 12€ am Kiosk, https://www.manager-magazin.de/unternehmen/mobilitaet/stuttgart-21-das-pannenprojekt-der-deutschen-bahn-verzoegert-sich-noch-weiter-a-f8fb8a29-76b1-4b32-8e56-2785b4ff30bf

paywall). Autor Michael Machatschke hat auch mit uns ausführlich geredet. Der Text enthält Insiderinfos aus dem Umfeld des DB-Aufsichtsrats zu dem von Palla angekündigten Revisionsbericht, zu Zeitplänen und Problemen des Projekts und – zur nächsten Kostenrunde.

Hier die wichtigsten Ausschnitte:

·         Nach dem Zeitplan, der dem Aufsichtsratspapier beigefügt ist, wird es schon im Frühjahr soweit sein. Demnach soll am 12. Juni intern der neue Termin für die Inbetriebnahme festgelegt sein. Der Prüfungs- und Compliance-Ausschuss des Aufsichtsrats bekommt den neuen Plan am 22. Juni zu sehen, zwei Tage später berät dann das gesamte Gremium über den Start und über die wahren Gesamtkosten des Projekts. 

·         Die Chancen für einen pannenfreien Endspurt stehen trotzdem schlecht. Vor dem Ziel türmen sich noch die tückischen Hindernisse auf. Dazu zählen der Brandschutz und andere Sicherheitsfragen sowie die vielen Baumängel, die üblicherweise erst kurz vor Schluss auffallen.

·         Der Revisionsbericht, so viel steht schon fest, wird eine lange Mängelliste. Es gibt offenbar Probleme mit der Zu- und Abluft, die zwingend gelöst werden müssen. Ebenso hapert es mit der Notstromversorgung. Dem Bericht an den Aufsichtsrat ist zu entnehmen, dass das unterirdische Technikgebäude, das als erstes Gebäude von S21 schon 2010 konzipiert wurde, aus der Zeit gefallen ist und angepasst werden muss. Es werden zudem “Rissbildungen im verlegten Bodenbelag der Bahnsteige genannt …“

·         Nach letztem, öffentlich bekannten Stand werden es fast das Fünffache des Veranschlagten, rund 11,5 Milliarden € werden. Und selbst das ist noch zu optimistisch kalkuliert, wie aus einem vertraulichen Bericht für den Aufsichtsrat vom 25. März hervorgeht, der dem ManageMagazin vorliegt: „ es ist von deutlichen Mehrkosten auszugehen“, warnt das Dokument.

·         „ die Formulierung „ deutliche Mehrkosten“, die sich an gleich zwei Stellen des Berichts an den Aufsichtsrat findet, deutet im Kontext des Projekts wohl auf mehrere Milliarden Euro Aufschlag hin.“

·         Die Bahn nennt regelmäßig ein Argument für DKS: mehr Kapazität. Digital überwacht und gesteuert, können die Züge mit kürzeren Abständen fahren. Es passt mehr Verkehr ins System. Damit bestätigt sie jedoch indirekt einen bösen Verdacht, der von Anfang an auf Stuttgart 21 lastete, dass die acht Gleise des neuen Hauptbahnhofs zu knapp bemessen sein könnten.

·         „Die Bahn hat in Stuttgart ihr größtes Bauprojekt mit riskanten, noch nicht erprobten Techniken verknüpft  – das kann nicht funktionieren,“ sagt ein Technologieberater, der häufig für die Bahn arbeitet. Er ist skeptisch, das sich an der misslichen Lage bald etwas ändert.“ Mit dieser Lösung wird Stuttgart 21 auch 2030 nicht in Betrieb gehen“, prophezeit er, “und später auch nicht.“

·         Als Olaf Drescher 2020 Projek- Chef wurde, hatte er eine klare Vorstellung von sich: “Ich bin der sechste Projektleiter“, sagte er, und der letzte“. Noch so ein S21-Irrtum.

RobinWoodMagazin

Mit Linckhs zu S21

Das neue Robin-Wood-Magazin ist da. U. a. mit klarem Faktencheck zu Stuttgart21 von Eberhard Linckh und mit Interview mit Angelika Linckh. Erhältlich an der Mahnwache gegen Spende

Und hier die inzwischen vollständigen Angaben zur nächsten, der …

807. Montagsdemo am 1. Juni auf dem Schlossplatz mit

  • Dr. Norbert Bongartz, Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21; „Die große S21-Fuge und ihre aktuelle Engführung“
  • Gez Zirkelbach & Ebbe Buhl; Gitarre, Conga, Percussion und Gesang
  • Dr. med. Dipl. Psych. Angelika Linckh, Capella Rebella

Davor: Raddemo 17.45h ab Feuersee – gesund + aktiv zur MoDemo!

Danach: Demozug 
über Schillerplatz zum Marktplatz/Rathaus,

Danach: „  „Direktzugang zum Hauptbahnhof Stuttgart statt Fernwanderwege“ im Großen Saal des Rathauses

    & Gruß von Werner

Über Werner Sauerborn

Dr. rer. soc. *1949, Geschäftsführer des Aktionsbündnis gegen Stuttgart21, dort Vertreter der „Gewerkschafter*innen gegen Stuttgart 21“. Zuvor wiss. Mitarbeiter FU Berlin, Otto-Suhr-Institut, Forschung zur Privatisierung Öffentlicher Dienstleistungen, Gewerkschaftssekretär bei ötv bzw. ver.di im Bereich Politik und Planung

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